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Apr 14, 2015

Der Stress mit dem Ersten Job

VIELE FRAGEN GEHEN EINER STUDENTIN DURCH DEN KOPF, WENN SIE DEN ERSTEN RICHTIGEN SUCHT. DEN ERSTEN RICHTIGEN JOB. GIRLS DRIVE HAT FRAUEN, DIE SICH DAMIT AUSKENNEN, GEBETEN, UNS AN IHREM WISSEN TEILHABEN ZU LASSEN. DIESMAL KOMMT INÉS CONSTANTIN KLEVEN, PROJEKTLEITERIN LNDK IM CAREER ADVISOR ETH CAREER C ENTER, ZU WORT.

Den passenden, möglicherweise den „Traumjob“ erkennen und dann auch bekommen, das wünschen sich alle Absolvierenden. Allerdings schwanken sie häufig zwischen Überforderung durch die Vielfalt an Möglichkeiten, zu später Auseinandersetzung mit dem Thema und den hohen Erwartungen an einen Traumjob. Betrifft dies alle Studienrichtungen? Eigentlich ja. Meine grundlegende Erfahrung ist, dass viele Studierenden sich einfach zu spät, wenn überhaupt, mit dem Thema Berufseinstieg auseinandersetzen.

Laut einer Hochschulbefragung des Bundesamts für Statistik (BFS) 2011 gaben rund 38 Prozent der Befragten an, dass es für sie schwierig gewesen sei, eine ihren Erwartungen entsprechende Stelle zu finden.

In meiner Tätigkeit als Career Advisor im Career Center der ETH Zürich bin ich immer wieder mit folgenden Fragestellungen konfrontiert: „Welche Berufsmöglichkeiten sind für mich realistisch?“ „Ich weiss gar nicht, was ich will!“ „Was kann ich nach meinem Studium überhaupt beruflich machen?“ „Wie finde ich die passende Stelle?“ Leider kommen diese Fragen häufig erst sehr spät, z. B. nach Abgabe der Masterarbeit. Ideal ist es, wenn Studierende bereits in der zweiten Hälfte des Studiums beginnen, sich aktiv zu informieren. Jedes Unternehmen hat eine eigene Webseite und durch Social Media ist der Arbeitsmarkt transparenter geworden, so kann man sich auf Plattformen wie Kununu über potenzielle Arbeitgeber informieren. Auch ein Praktikum gewährt einen sehr guten Einblick in den realen Arbeitsalltag. Weiters können die zahlreichen Angebote an Hochschulmessen, Rekrutierungsveranstaltungen und Unternehmensvorträgen genutzt werden, wo man relevante Erfahrungen sammeln und vor allem Kontakte knüpfen kann. Überhaupt ist Networking zwar in aller Munde, wird allerdings häufig negativ assoziiert. Viele verstecken sich regelrecht davor, obwohl es keine Hexerei ist. Man trifft Menschen, die über persönliche Erfahrungen in ihrem Beruf berichten, man erfährt, wie die Arbeitskultur in einem Unternehmen ist, und eventuell wird man sogar bei der Suche unterstützt. Diese Informationen sind eine wichtige Voraussetzung für eine umfassende Standortbestimmung, die idealerweise frühzeitig vor der eigentlichen Bewerbung stattfindet. Ein Grossteil der Hochschulen bietet darüber hinaus über deren Career Center diverse Unterstützung an.

Eine weitere Beobachtung ist, dass Absolvierende häufig die Sinnhaftigkeit einer Arbeitsstelle, also den direkten Beitrag für die Gesellschaft oder Umwelt, bei der Jobsuche in den Vordergrund stellen. Die Realität stellt sich häufig erst bei einem Praktikum heraus und führt eventuell dazu, dass der Traumjob neu definiert werden muss. Das Bundesamt für Statistik hat in einer Untersuchung in Fachbereichsgruppen weitere unterschiedliche Erwartungen an den Job herausgefunden. Zum Beispiel haben Wirtschaftswissenschafter/innen häufiger hohe Erwartungen an Aufstiegsmöglichkeiten (85 %) und an ein hohes Einkommen (66.3 %). Teilzeitarbeit ist bei dieser Gruppe nur wenig wichtig (13.5 %). Bei den Geistes- und Sozialwissenschaft en hingegen zeigt sich ein anderes Erwartungsprofi l: Aufstiegsmöglichkeiten (57.2%) und Einkommen (39.5 %), dafür möchten aber 42.3 Prozent gerne Teilzeit arbeiten. Selbstverständlich wirken sich diese Erwartungen auf die Stellensuche aus und auch hier hilft eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Realität am Arbeitsmarkt. Gespräche mit Firmenvertretenden sowie mit ehemaligen Absolvierenden der jeweiligen Hochschule sind ausgezeichnete Quellen dafür.

IST ES FÜR HOCHSCHULABSOLVENTEN SCHWIERIG, EINEN JOB ZU FINDEN?
Die Zahlen des BFS zeigen, dass rund 95% im ersten Jahr nach dem Abschluss eine Stelle finden. Absolvierende von Studienrichtungen, deren Ausbildung nicht auf spezifische Berufsfelder abzielt (z. B. Philosophische Fakultät), müssen etwas mehr Zeit investieren als solche von Studienrichtungen wie zum Beispiel IT, Ingenieurswissenschaften oder Medizin. In jedem Fall ist Vorbereitung der magische Schlüssel! Egal welcher Abschluss, egal ob von einer PH, einer FH oder Universität, eine fundierte und vor allem rechtzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema Berufseinstieg ist unabdingbar.

Text & Foto:  Inés Contantin Kleven
* Inés Contantin Kleven verfügt über besonders gute Kenntnisse des Arbeitsmarktes und versteht die bedürfnisse sowohl der Privatwirtschaft, aber auch die der Hochschulabsolventen rund um das Thema Berufseinstieg.