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Dec 5, 2015

Die Ersten 100 Tage

Bei Managern in C-Level-Positionen spricht man oft davon, dass die ersten 100 Tage in einem neuen Job entscheidend sind. Entscheidend für den Impact, den die Person haben kann, für die Meinung, die andere von ihr haben werden, und entscheidend, inwiefern neue Strategien erfolgreich sein werden. Das gilt eigentlich für jeden neuen Mitarbeiter.

Und gerade bei Berufseinsteigern oder beim ersten Tag im Praktikum gilt: endlich in der Praxis. Endlich wirklich etwas mit Impact machen, Verantwortung tragen und sich verwirklichen. Die Motivation und Erwartungshaltung sind gross, aber die Unsicherheit ebenso.

Eigentlich sollte das klar sein, aber Pünktlichkeit ist oberstes Gebot. Vermeidet unnötigen Stress in dieser Hinsicht auf jeden Fall. Gleiches gilt für das Outfit. Im Idealfall habt ihr schon beim Vorstellungsgespräch gesehen, welcher Dresscode in der Firma herrscht. Falls nicht, gilt am Anfang immer: lieber overdressed! Ihr könnt euch immer noch dem Vorbild der Kollegen anpassen. Ausserdem ist es unüblich, während der Probezeit Ferien zu nehmen (sollten diese schon länger gebucht sein, bitte schon beim Vorstellungsgespräch oder bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags transparent kommunizieren).

Die ersten Tage und Wochen seid ihr der stille Beobachter im Unternehmen. Wie ist der Umgang der Mitarbeiter untereinander? Wie der Humor? Wie läuft das Tagesgeschäft ab? Manche Firmen stellen euch einen Götti an die Seite, der euch aktiv beim Einleben unterstützt. Nehmt aber in jedem Fall Lunch- oder Feierabendbiereinladungen von Kollegen an. Das hilft euch beim Erlernen der impliziten Firmenkultur und ihr findet Anschluss. Werdet aber dabei nicht zu schnell zu privat, zeigt lieber Interesse für die Fähigkeiten und Aufgaben eurer Kollegen.

Allgemein gilt: die übertragenen Aufgaben zügig, aber auch sorgfältig erledigen. Solltet ihr mit eurer Arbeit schneller fertig sein als erwartet, holt euch Feedback ein oder fragt, ob ihr euren Kollegen zur Hand gehen könnt. Teamplayer werden geschätzt und selbstständiges Arbeiten ebenfalls. Mancherorts werden Neuzugänge nämlich inoffiziell mit leichten Aufgaben getestet.

In den ersten Tagen dürft ihr ruhig öfter nach Namen fragen oder nochmals nachhaken, wie genau gewisse Programme oder Arbeitsschritte funktionieren. Die Basics müsst ihr beherrschen, damit es später nicht peinlich wird. Grundsätzlich solltet ihr euch vor Augen halten, dass eure Einarbeitung für die bestehende Belegschaft meistens eine zusätzliche Aufgabe darstellt. Seid deshalb stets rücksichtsvoll, stellt intelligente (Rück-)Fragen und versucht, die Logik hinter der Arbeitsweise zu verstehen.

Normalerweise steht nach etwa vier Wochen das erste Feedbackgespräch mit dem Vorgesetzten an. Sollte dieser nicht auf euch zukommen, ergreift selbst die Initiative. Ein solches Gespräch ist ein wichtiger Check-up, ob ihr eure Aufgabe verstanden habt, eure Leistung und Arbeitsweise angemessen ist, ob ihr unter- oder überfordert seid. Oft stellen wir ja aus Motivation oder innerem Drang sehr hohe Ansprüche an uns selbst. Bereitet deshalb das Feedbackgespräch zu Hause vor und hinterfragt auch eure eigene Erwartungshaltung kritisch. Dies ist vielleicht die grösste Herausforderung, wenn man in die Berufswelt einsteigt.

* Isabel Steinhoff, 25, hat an der Uni Zürich und an der HSG Wirtschaft studiert. Sie war Mentee in der ersten Runde des Girls Drive Mentoring Programms und arbeitet seit zwei Jahren für die Redaktion. Als STV  Projektleiterin von Girl Friday ist sie für die Planung und Umsetzung der #FirstJobProblems Tour verantwortlich und hier eure Ansprechpartnerin.

*Text: Isabel Steinhoff
Foto: Jan Düblin